Ich schaff’s einfach net. Socken stricken, meine ich. Ich liebe selbstgestrickte Socken, am liebsten quietschbunt und geringelt und hach. Aber ich quäle mich derart mit den winzigen Maschen, vielen Nadeln und verwirrenden Anleitungen, dass ich regelmäßig nach den ersten Zentimetern wieder alles aufribbele.
Was eine Freude für mein Herz, als ich das Buch “Socken nähen” entdeckte. Da ich bereits Erfahrungen – und nicht gerade die besten – mit Büchern des Topp-Verlages habe, wartete ich diesmal geduldig, bis die ersten Rezensionen auf Amazon eintrudelten. Mmmh. Die sind jetzt von begeistert bis übel enttäuscht sehr gemischt. Ein Büchergutschein lies es mich dann wagen.
Tja. Und was soll ich sagen: Meine Gefühlswelt bewegte sich von übel enttäuscht bis begeistert. In der Reihenfolge.
Das Buch beginnt mit einem Vorwort. Dort gibt es auch eine kleine Sammlung von Tipps. Die sind aber nicht sehr weiterführend.
Und schon auf der nächsten Seite geht es los und es werden 20 teilweise sehr nette Socken und Strümpfe gezeigt. Die Anleitung sind komplett bildfrei (außer dem Sockenmodell) und alle (!) enthalten die immer gleichen Textbausteine, die dann ab und an leichte Änderungen erfahren, wenn statt eines Bändchens ein Blümchen angenäht wird.
Ich war verwirrt.
Erst als ich das Schnittmuster sah, offenbarte sich mir die Sache und ab diesem Moment brauchte ich auch die Erklärungen nicht mehr. Das Prinzip ist wirklich extrem einfach und selbsterklärend (wenn man schon mal ein wenig genäht hat).
Ich fühlte mich nun ein wenig veräppelt: Hab’ ich jetzt 10 Euro für ein einfaches Schnittmuster bezahlt?? Und zwar nur für Socken von Größe 24 bis 41 (wird natürlich buchdeckelseitig großzügig verschwiegen). Weitere Größen muss man sich selbst basteln (Na toll! Hatte ich meinem Größe 46 tragenden Gatten ggü schon geprahlt, ihm als Weihnachtsgeschenkt endlich auch mal Socken untern Baum zu legen!).
Das Schnittmuster muss auch noch verlängert werden: Der Schaft muss angezeichnet werden. Na gut, Folie ausgepackt und gemalt. Nochmal im Buch geblättert, ob ich irgendwelche Hinweise übersehen habe:
“Nahtzugabe bereits erhalten” steht im Vorwort. Toll. Und wieviel? Mitten in einer Textbausteine stolperte ich dann über die Worte “füßchenbreit absteppen”. Gut, das ist also geklärt.
Noch mehr Tipps? Nein. Nicht wirklich. Nicht, dass man darauf achten sollte, möglichst bielastischen Stoff auszuwählen oder bei nur querelastischen Stoffen die Elastizität auf die Breite (!) auszulegen. Heißt: Entweder lässt sich der Stoff in beide Seiten gleich dehnen oder man muss darauf achten, dass er sich nicht länger, sondern breiter ziehen lässt.
Achtet bitte auch darauf, dass sich je nach Dehnungsgrad die Größe ändert: Je doller sich der Stoff ziehen lässt, desto kleiner sollte die Socke ausfallen.
Wer noch keine großen Näherfahrungen hat und insbesondere, wer noch keine großen Erfahrungen im Umgang mit elastischen Stoffen wie Jersey und Fleece hat, wird mit diesem Buch wahrscheinlich überfordert sein. Es wird zuviel an Wissen und Erfahrung vorausgesetzt.
Bevor man das Schnittmuster, das dem Buch anhängt, nicht ausgepackt hat, versteht man nur Bahnhof (auch als erfahrenere Näherin). Es gibt kein “Basismodel”, an dem “erste Schritte”, also das Prinzip verdeutlicht werden.
Wenn man sich allerdings ein wenig reingefummelt hat, ist es eine tolle Sache. Ich habe noch nie so eine schon fast lächerlich einfache Vorlage für genähte Socken gefunden.
Für alle, die das Buch haben und nicht ganz so weiterkommen, habe ich mein erstes Mal dokumentiert (ich habe mir beim Probemodell keine Mühe gegeben, bitte darüber hinwegsehen):
Ich habe erstmal mein Füßchen auf Papier verewigt, um zu schauen, ob ich eher in Kategorie 40 / 41 passe oder weniger Stoff brauche. Hat nicht viel gebracht. Wie sich die Größe zusammensetzt, muss ich noch austüffteln (für Schatzens großen Fuß).
Legt am besten dicke, durchsichtige Baumarktfolie auf das Schnittmuster, das hält gut und man kann die Abnäher prima mit einem CD-Marker einzeichnen. Ab der schwarzen durchgängigen Linie neben den blauen Umbruchlinien habe ich jeweils 21 Zentimeter dazugeben, das ist dann der Schaft und ergibt ca. Tennissockenhöhe. Bei den Abnähern mache ich es so, dass ich je an allen Ecken des Dreiecks Löcher in die Folie picke, zeichne ich später die Löcher im Stoff an, kann ich die Abnäher genau nachzeichnen.
Jetzt habe ich eine endlange Folienschlange, die ich auf den doppelt gelegten Jersey auflege. Dran denken: Der Jersey soll in der Breite dehnbar sein! Schick ausschneiden, Abnäher markieren und anzeichnen.
Markiert euch an den Teilen, wo die Ferse und wo die Zehen sind. Erst kommt die Ferse. (Dabei ist das gar nicht die Ferse, sondern der Knöchel, aber egal…)
Die Linie zwischen den Dreiecken ist die Stelle, an denen ihr den Stoff umklappt: Gesicht aufeinander (oder schöne Seite zueinander oder rechts auf rechts, wie auch immer ihr es nennt) und dann die schräge Linie entlangnähen.
Bitte nicht mit der Overlock, falls vorhanden, sondern mit normalen Geradstich an der Nähmaschine. Schneidet die Nahtzugabe etwas zurück und bügelt sie auseinander (oder legt sie wenigstens auseinander). Nicht wie ich so rumpfuschen, gebt euch mehr Mühe. Ich war faul.
Nun legt ihr den Stoff wie eben an der Markierung der Zehen um. Im Buch nennen sie das immer Fußspitze. Okay. Diesmal dürft ihr auch overlocken, wenn ihr wollt. Näht wieder an der Dreiecksmarkierung.
Greift euch danach ein paar Stecknadeln, legt den Stoff wie im Bild zu sehen aufeinander und steckt die Seiten zusammen. Bei der Ferse jetzt die Nahtzugaben auseinanderlegen (eine nach oben, eine nach unten). Und dann ab unter die Overlock – oder ihr näht die Seiten mit Zickzack zusammen und schneidet die Nahtzugabe etwas zurück. Versäubern müsst ihr bei Jersey nicht unbedingt. Oben bitte offenlassen, dort kommt nachher der Fuß rein!
Wenn ihr gut im Umgang mit der Overlock seid, könnt ihr euch auch den Arbeitsgang mit den Zehen sparen: Erst die Ferse wie oben beschrieben abnähen. Dann den Stoff zusammenstecken und in einem Rutsch von den Zehen runter zum Bündchen nähen. Das Schöne dabei ist, dass ihr dabei auch eine leichte Rundung oben nähen könnt, das sieht nachher hübscher aus.
Wenn ihr das Dingen jetzt wendet, habt ihr eure erste Rohsocke in der Hand. Verblüffend, nicht?!
Im Buch werden einige wirklich süße Details gezeigt, mit denen man die Socken noch aufhübschen kann. Ich wollte sie gleich tragen und habe einfach eine Stück Jersey, das beim Zuschneiden übrig war, in die Länge gezogen (dann rollte er sich zusammen) und als Bündchen angenäht. Ihr könnt auch einfach ein feines Gummi an den Bund annähen (dabei bitte das Gummi nicht dehnen), sehr niedlich sehen Schlüppergummis aus. Oder ihr klappt den oberen Rand nach innen und näht ihn mit der Zwillingsnadel oder Zickzack zusammen.
Fazit: Erst hab’ ich mich etwas geärgert, weil 10 Euro für ein Schnittmuster (dazu noch eines, in das man Arbeit reinstecken muss, wenn man auf großem Fuß lebt) ist ne Menge Holz. Aber die Idee ist so simpel und genial, dass es sich dennoch lohnt. Mit dem ersten Paar selbstgenähter Socken hat man ja den Preis wieder raus. Man kann prima Reste von dehnbaren Stoffen verwenden, da man ja nur zwei schmale Bahnen braucht und hat die coolsten Socke ever. Sie sitzen auch prima (mein Bastelbündchen ist nichtmal runtergerutscht) und die Nähte sind – wenn sie richtig sitzen – nicht zu spüren. Ich hab’ sie ihn meinen heißgebliebten Clocks getragen und find mich sooo schick damit!
Links:
Homepage der Autorin
Thread zum Buch bei der Hobbyschneiderin
Käuflich über Amazon:




20. Januar 2012 um 18:53 Uhr
Schöner ausführlicher Bericht. Vielleicht kaufe ich mir das Buch doch, nur um das Schnittmuster zu kriegen. Oder ich probiere es selbst, nach diesem Bericht klappt das vielleicht mit etwas Tüftelei und Geduld auch so.
Vielen Dank für deine Mühe!