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Das schwarze Loch oder auch Handtasche Mary

Handtasche Mary
Schaut jetzt nicht sooo übel aus, oder?

Da hat aber jemand Nerven gekostet. Mary heißt sie, ist nach dem ebook von modage genäht und hat mich fragen lassen: Können alle andere so viel besser nähen oder nur besser fotografieren? Oder liegt’s doch am fehlenden Obertransport?

Die Handtasche Mary ist die kleine Schwester der Reisetasche Mary-Ann. Mir gefiel die abgeknickte Ecke, die rundumverlaufenden Gurtbänder und verschiedenen Tragevarianten.

Ich kann gut mit Stoffen und nähe furchtbar gerne, bin dabei auch kreativ. Aber ich hasse Schnittmustererstellung und -anpassung. Anpassungen lasse ich mir bei Klamotten ja noch gefallen, aber bei Taschen will ich für mein Geld etwas Durchdachtes. Dafür zahle ich gerne. Mein Material stammt fast zu 90 % aus Altkleidern. Deshalb sind Probemodelle immer schwierig. Ist die Jacke / Hose whatever zugeschnitten, ist da selten nochmal eine Nachjustierung möglich. Weshalb ich mir vorher auch stundenlang Fotos von schon genähten Objekten anschaue, viel googele und pintereste, um Fehlerquellen aufzudecken.

So auch bei der Mary. Die Fotos sahen topp aus, die Berichte waren überschwenglich. Etwas aufwendiger als ein Einkaufsbeutel, aber das mag ich ja.

Der Stoff ist nicht eingeknickt, wie ich dachte, sondern so zugeschnitten.
Der Stoff ist nicht eingeknickt, wie ich dachte, sondern so zugeschnitten.

Als der Schnitt vor mir lag, war ich irritiert. Ich erwartete, auch aufgrund der Fotos, ein rechteckiges Seitenteil. Das war aber ein schmales, hohes Dreieck (das hat garantiert nen Eigennamen, ich Matheass, ich). Mmmh. Nun ist meine räumliche Vorstellung gleich Null (wo wir wieder bei der Schnittmustererstellungsschwierigkeit wären), also einfach mutig drauf los nähen, wird schon werden.

Bis auf das Einsetzen der Seitenfalte, die ich aufgrund falscher Vorstellungen vom Gesamtbild gefühlt sechstausend Mal aufgetrennt habe, ging soweit alles gut. Bis ich die Reißverschlußecke mit (dünnem) Leder abnähen wollte. Konnte ja nur schief gehen: 2 Lagen Oberstoff, 2 Lagen Vlies, 2 Lagen Futter, der Reißverschluß und last but not least, 2 Lagen Leder durchzunähen – das schafft meine Brother einfach nicht. Ich war so genervt, gestresst und sauer, dass ich trotz Brummen und Piepen meiner armen Maschine, sowie einigen üblen Falten und Fehlstichen weiter genäht habe. In dem Bewußtsein, gerade ein TfT (Teil für die Tonne) zu produzieren.

Wie ich das hasse! Für die Tonne nähen ist eh nich‘ schön, aber so kurz vorm Schluß? Nachdem man so vorsichtig zu Werke gegangen ist und das Teil schon richtig gut aussieht. Gnagnagna.

Öffnet man den Reißverschluß, zeigt sich erstmal ein schwarzes, tiiiefes Loch
Öffnet man den Reißverschluß, zeigt sich erstmal ein schwarzes, tiiiefes Loch

Als ich dann verschwitzt die letzten Fädchen vernäht hatte, die nächste Ernüchterung: Da passt ja gar nix rein? Also, da passt schon eine Menge rein, so isses ja nicht. Aber erstmal muss ich das Zeug ja rein bekommen. Und das ist gar nicht so einfach: Der Reißverschluß ist, gemessen an der Gesamtgröße der Tasche, viel zu kurz. Dadurch kann man die Tasche nicht wirklich „aufklappen“. Na, ihr wißt schon. Ich bekam mit etwas Geschubse locker mein iPad, zwei Zeitschriften, einen dünnen Pulli und noch alles mögliche da rein. Aber erstens fand ich nix wieder, da die Öffnung zu eng zum Wühlen ist. Und zweitens hatte ich meine liebe Mühe, alles wieder raus zu bekommen.

Handtasche Mary
Schatzens Sakko als Ausgangsmaterial.

Inzwischen habe ich mich an die Eigenheiten der Tasche gewöhnt. Ich benutze sie, weil sie so hübsch ist. Und weil sie aus nem ehemaligen Lieblingssakko vom Schatz ist. Ich mag die vordere Klappentasche. Sie trägt sich prima. Und ist mir – bis auf die RV-Enden – echt gut gelungen.

Aber nochmal geb‘ ich mir das Drama nich‘.